Mit dem 1. Würzburger Gitarrenfestival hat die Kulturszene der Stadt ein neues Highlight hinzugewonnen. An zwei Abenden Ende September verwandelte sich der Keller Z87 in ein Forum für Gitarrenkunst in all ihren Facetten – von klassisch bis modern, von jazzig bis rockig.

Den Auftakt bildete das Duo Michael Arlt & Wolfgang Kriener. Der Gitarrist und der Bassist spielen seit Jahrzehnten zusammen – und das hört man. Mit geschmeidigem Zusammenspiel, feinem Gespür für Dynamik und brasilianischen wie karibischen Anklängen schufen sie einen stillen, aber eindringlichen Start in das Festival. Ihre Musik verlangte konzentriertes Zuhören und wurde dafür reich belohnt.

Danach folgte Crossing Strings: Carina Maria Linder und Markus Schlesinger vereinten klassische Gitarre und Fingerstyle zu einem Dialog voller Kontraste. Mal virtuos ineinander verflochten, mal in spannungsvollem Gegenüber – ihr Programm reichte von Eigenkompositionen bis zu neu interpretierten Klassikern. Ein Auftritt, der die klangliche Vielfalt der Gitarre eindrucksvoll zeigte.

Als krönender Abschluss des ersten Abends stand Jacques Stotzem auf der Bühne. Der Belgier, eine feste Größe der europäischen Fingerstyle-Szene, verzauberte mit lyrischen Eigenkompositionen ebenso wie mit energiegeladenen Adaptionen von Rock-Ikonen wie Hendrix oder Gallagher. Sein souveränes, doch stets zugängliches Spiel zog das Publikum in Bann.

Der zweite Abend brachte zunächst Oliver Thedieck, der mit viel Charme und spürbarer Hingabe die klassische Gitarre präsentierte. Neben modernen Werken ließ er südamerikanische Einflüsse einfließen und schuf so eine feine Balance zwischen Tradition und Gegenwart.

Silvio Schneider führte anschließend mit seiner „Groovy World Guitar“ in ganz andere Klangräume. Er kombinierte Latin, Funk und Jazz, griff auf Loops zurück und überraschte mit Bearbeitungen von Stücken wie Michael Jacksons Billie Jean oder Sting. Spätestens im gemeinsamen Schluss mit Thedieck zeigte sich, wie sehr Gegensätze sich ergänzen können.

Auch wenn am Samstag kurzfristig ein angekündigter Act ausfiel, tat dies der Begeisterung keinen Abbruch. Das Publikum honorierte das breite Spektrum und die Intensität der Darbietungen mit großem Applaus.

Organisator Tommi Neubauer konnte zufrieden sein: Ein Festivalauftakt mit Niveau, der Lust auf mehr macht. Zwar blieb die Zuschauerzahl noch hinter dem Potenzial zurück, doch die Resonanz von Musiker:innen wie Publikum machte deutlich: Dieses Festival hat Zukunft. Die nächste Ausgabe im Herbst 2026 ist bereits fest eingeplant – und man darf gespannt sein, wie sich dieses neue Format weiterentwickeln wird.

Der Keller Z87 erwies sich als idealer Ort: nahbar, atmosphärisch und akustisch bestens geeignet für Gitarrenkunst. Das erste Würzburger Gitarrenfestival hat eindrucksvoll gezeigt, dass Qualität und Leidenschaft das Fundament für eine nachhaltige Konzertreihe bilden können.

1. Würzburger Gitarrenfestival

Freitag 26. & Samstag 27. September 2025 | Keller Z87

Zwei Tage ganz im Zeichen der Gitarre: Das Keller Z87 lädt Ende September zum ersten Würzburger Gitarrenfestival ein – ein Wochenende, das die ganze Bandbreite dieses faszinierenden Instruments feiert. Internationale Künstlerinnen und Künstler präsentieren Solo-Programme, intime Duos und virtuose Fingerstyle-Shows zwischen Jazz, Klassik, Latin, Pop und Rock.

 


Freitag, 26. September 2025

Michael Arlt & Wolfgang Kriener (Deutschland) – „Two“

Crossing Strings – Markus Schlesinger & Carina Maria Linder (Österreich)

Jacques Stotzem (Belgien)


Samstag, 27. September 2025

Oliver Thedieck (Deutschland)

Silvio Schneider (Deutschland)